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Gedichte

Zwei Marderkinder

Kleine Geister wieseln durch das grüne Gras.
Sie hüpfen auf und ab und hin und her.
Mal sieht man sie rechts, dann wieder links.
Braunes Fell, riesen Ohren, weißer Latz.

Zwei Marderkinder spielen dort und toben.
Das Gras ist viel zu hoch für sie.
Doch wie Gemsen springen die beiden Tierchen
über die Halme und Büschel hinweg.

Im nächsten Moment stehen sie auf den Hinterbeinen, recken sich hoch wie Erdmännchen im Wüstenreich
um zu schauen, ob etwas ihr‘n Spieleifer stört.-
Und sie toben und raufen und haben Spaß dabei.

Aufmerksam und wieselflink verschwinden sie schließlich.
In den grünen Wogen springen und flitzen sie hin und her.
Bis wir sein nicht mehr entdecken können
und schmunzeln weitergeh‘n.


Flügge, mein Kind

Schon immer wollte ich fliegen um zu leben
und um zurück zu kommen,
in ein Nest voll Wärme und Geborgenheit.

Und ich flog…
mal hier hin, mal dort hin,
suchte die Freude und mich,
mein Ziel und meine Bestimmung.

Und ich kam zurück…
wurde aufgefangen und geliebt,
zu Hause fand ich alle Sicherheit,
um meinem Lebenshunger Flügel zu geben.

Später flog ich aus…
wollte ein neues Heim mir suchen,
für das Mehr an Liebe in mir und
Erfüllung meiner Sehnsucht nach einem neuen Lebenssinn.

Als ich ankam…
war zuerst das neue Nest warm und weich,
Daunen polsterten stabile Zweige.
Die Stürme hatten keine Chance zu schaden.

Aber dann…
der eisige Wind wehte die schon runtergetretenen Daunen fort. Die Zweige brachen und fielen hinab.
Das löchrig gewordene Heim fing mich nicht mehr auf.

Ich konnte fliegen…
aber ich brach mir die Flügel
an der Kälte des Nestes.
Aller Aufbau, alles Mühen half nichts mehr.

Ich flog…
ein letztes Mal, tiefer und tiefer
mit gebrochenen Flügeln,
schützend meinen Kleinen im Arm… .

Aufgefangen…
hat mich das Netz meines alten Heimes,
Geborgenheit spürend, heilten die Wunden
und meine Flügel wurden wieder stark.

Heute…
stehe ich auf festem Boden,
mit Narben, die ab und an schmerzen,
lerne ich wieder laufen.

Manchmal…
breite ich meine Flügel aus,
spüre den Wind der Sehnsucht und Weite.
Doch ich hebe so schnell nicht wieder ab.

Aber irgendwann…
zeige ich Dir, was es heißt zu fliegen
und zurück zu kommen,
in ein warmes, sicheres Nest.


Der erste Schnee

Später Abend, morgen ist Schule,
schlafe tief und fest.
werde geweckt, raus, aufstehen,
der erste Schnee des Jahres fällt-

Gehen aus dem Haus, ziehen dicke Jacken an.
Der Garten strahlt im frischen Weiß
wie sonst die vielen Sterne.
Hell erleuchtet er die dunkle Nacht.

Große Flocken fallen vom Himmel herab,
landen kalt und nass auf meiner warmen Haut,
strecke meine Zunge nach ihnen aus –
kenne nichts frischeres als diese zarten Kristalle.

Alles ist vom weißen Teppich bedeckt,
die Pflanzen tragen kleine Hauben.
Das Gartentor quietscht, wir treten hinaus.
Keine Spuren im Schnee zerstören dieses Bild.

Im Schein der Laternen tanzen die Schneeflocken
der Erde entgegen. – Ach – jetzt tanze auch ich.
Alles glitzert und strahlt so hell.
Kein Ende dieses Schauspiels in Sicht.

Unter meinen Füßen knirscht der harsche Schnee.
Vor mir schwebt ein Flockenvorhang dicht wie nie.
über mir, den Himmel sieht man kaum.
Hinter mir sind unsere Spuren, verschwinden schnell.

Ach möge diese weiße Nacht nur nie zu Ende gehen,
das Treiben der Flocken, das Knirschen des Schnees –
Es ist so wunderbar – der Moment gefriert,
die Zeit bleibt stehen.

Morgen ist Schule und leider –
muss wieder rein, ins warme, weiche Bett
nach Hause gehen.


Die Ostsee

Wellen schlagen gegen den Strand.
Ein Rauschen erfasst mein Ohr.
Ich liege im Wasser auf dem Rücken,
lasse mich treiben und schwebe im Meer.

Der Himmel ist blau, so blau und klar.
Nur ein, zwei Schäfchenwolken ziehen vorbei.
Die Sonne strahlt von oben und küsst mein Gesicht.
Sie blendet ein wenig, ich schließe die Augen.

Ich schwebe und lasse mich treiben.
Das Wasser trägt mich so sanft.
Ich wiege hin und her,
der Strand ist so nah und auch so fern.

Die Wellen tragen mich wie schon als Kind.
Ich denke an Vati, wie schön war es mit dir
in der Ostsee zu schweben-
ich träume und bin wieder klein, bist du hier?

Ein Wellenberg kommt auf mich zu
und wie damals richte ich mich aus-
Füße gegen die Fluten, der Berg hebt sie an-
dann meine Beine, den Hintern, den Rumpf-
Am Ende meinen Kopf.
Und bevor das Tal mich erreicht,
sehe ich die Weite, den Horizont und bin sicher,
Vati, du bist neben mir.